Austausch - Sohn 13 an schweren Zwangsstörungen erkrankt

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Noemi
Beiträge: 4
Registriert: Sa 24. Feb 2024, 18:32

Austausch - Sohn 13 an schweren Zwangsstörungen erkrankt

Beitrag von Noemi »

Hallo zusammen!

Ich bin neu hier und Mutter eines an Zwangsstörungen erkrankten Sohnes. Seit ca. 3 Wochen hat sich der Zustand meines Sohnes extrem verschlechtert. Das kam mit so einer Wucht... quasi über Nacht, dass ich wirklich dachte, er dreht jetzt durch.
Ich wollte euch mal ein paar Dinge erzählen, die mein Sohn macht und wollte von euch wissen, ob ihr das vielleicht von Euch oder Euren Kindern auch so kennt.

Gewisse Dinge dir wir sagen oder tun, scheinen ihn zu triggern und sehr zu stören. Er wird dann aggressiv und möchte, dass wir aufhören zu reden (Eltern und Geschwister). Besonders aggressiv ist er bei seinem Vater und bei seiner älteren Schwester. Bei seinem Bruder und mir hält es sich in Grenzen.
Wir halten uns komplett zurück und flüstern teilweise nur noch... Aber das kann es doch auch nicht sein... Das Familienleben bleibt total auf der Strecke. Wir waren sonst immer lustig und hatten gute Gespräche. Das ist im Moment gar nicht mehr möglich.

Auch verbringt er Stunden in seinem Zimmer, macht komische Bewegungen mit dem Kopf und den Händen. Oder auch Geräusche mit seinem Mund. Ich habe das Gefühl, dass er nichts mehr tut, ohne dabei einem gewissen Ritual zu folgen. Wenn man ihn dabei unterbricht, indem man z.B. den Flur betritt, während er seine Abläufe macht, wird er wütend und schickt dich weg.
Die Zwänge sind zuhause am schlimmsten. In der Schule oder unterwegs hält es sich in Grenzen.

Entscheidungen kann er keine mehr treffen. Die kleinsten Entscheidungen werden stundenlang ausdiskutiert. Er möchte auf der einen Seite meine Meinung hören und möchte, dass ich ihm sage, was er tun soll. Auf der anderen Seite sagt er dann immer "Ja, aber..." Und das kann dann stundenlang so gehen.

Habt ihr ähnliche Probleme mit euren Kindern?

Liebe Grüße
Noemi
TeeCoffee
Beiträge: 82
Registriert: Di 12. Jul 2022, 01:56

Re: Austausch - Sohn 13 an schweren Zwangsstörungen erkrankt

Beitrag von TeeCoffee »

Hi,

ich bin selbst Betroffener. Ich kann zu dem speziellen Verhalten Eures Sohnes nicht viel sagen und letztlich ist ja auch wichtiger wie das weggeht und nicht ob es jemand so kennt.
Nur wenn ich die Schilderung so lese, kann ich stark empfehlen, dass das ein echter Fachmann diagnostiziert und kein Hausarzt oder Feld-, Wald-, Wiesenpsychiater. Es ist sehr wichtig zu wissen ob es sicher eine Zwangsstörung ist und nichts anderes und ob die Symptome irgendwie daher kommen oder ob auch noch irgendwelche anderen Störungen (ADHS, Autismus, etc) dabei sind. Bei letzteren muss man wiederum aufpassen, dass man auch da nicht an jemand gerät, der diese "Modediagnosen" vergibt. Will damit sagen: lieber Spezialisten von einer Uniklinik / Hochschulambulanz oder so konsultieren als den naechstbesten, damit man nicht in eine Odyssee gerät.
Des weiteren: wenn im Kindesalter/Pubertät eine Zwangsstörung wirklich buchstäblich über Nacht einsetzt, kann sowas auch körperliche Gründe haben (schaut mal nach PANDAS https://www.nimh.nih.gov/health/publications/pandas ). Ich kenn mich da auch nicht aus und würde nicht eine grosse Hoffnung darauf setzen, aber es schadet nichts, sowas auch mal im Auge zu behalten.
Ich wünsche Euch und dem Sohn alles gute, damit er eine gute Diagnose und Behandlung möglichst schnell bekommt.
Gruss
Morena
Beiträge: 5
Registriert: Sa 23. Mär 2024, 22:31

Re: Austausch - Sohn 13 an schweren Zwangsstörungen erkrankt

Beitrag von Morena »

Hallo Noemi,
das Verhalten deines Sohnes ist fast genauso wie bei meinem. Er ist ewig im Zimmer. Räumt alle Stühle und Tische ordentlich nachdem er von der Schule heimkommt . Danach macht er komische Kopfbewegungen und Art Selbstgespräche. Er diskutiert auch bis zum geht nicht mehr mit ja aber . Er treibt mich damit in den Wahnsinn.
Wenn man ihn an der Ausübung seiner Rituale hindert wird er aggressiv und weint und schreit. Er hat einen Ordnungs , Reinigung und Perfektionszwang. Er ist oft im Badezimmer bis zu 4 Stunden am Tag. Verbrauchen Unmengen an Handtüchern. Man darf ihn nicht anfassen. Ich muss das Badezimmer sofort verlassen wenn es seine Rituale verlangen. Sonst schreit er. Am Tisch muss alles perfekt positioniert sein.
Die Kliniken hier in München nehmen mich nicht ernst. Die nehmen nur auf bei eigen oder fremdgefährdung.
Mein Sohn liebt sein Gymnasium und da kann er ganz gut maskieren. Nur sein Perfektionismus merken die Lehrer und die Schulkameraden.
Bin oft so am Ende mit meinen Nerven da er mich so in die Zwänge mit einbildet. Wenn sein Tag nicht perfekt läuft dann weint er und ist oft verzweifelt.
Wie kann ich ihm nur helfen ?
Marion
Noemi
Beiträge: 4
Registriert: Sa 24. Feb 2024, 18:32

Re: Austausch - Sohn 13 an schweren Zwangsstörungen erkrankt

Beitrag von Noemi »

Hallo Marion,

als ich den Beitrag geschrieben habe, ging das mit der Schule bei meinem Sohn noch. Er wollte auch unbedingt in die Schule, weil er dort fast zwangsfrei war und es ihm Struktur gegeben hat. Mittlerweile geht es leider nicht mehr, er schafft es nicht mehr in die Schule.
Wie alt ist dein Sohn und wann hat das mit den Zwängen begonnen?
Bei welchen Kliniken in München habt ihr angefragt?
Liebe Grüße, Noemi
Morena
Beiträge: 5
Registriert: Sa 23. Mär 2024, 22:31

Re: Austausch - Sohn 13 an schweren Zwangsstörungen erkrankt

Beitrag von Morena »

Hallo Noemi,
Danke für deine nette Nachricht.
In der Schule ist mein Sohn auch fast zwangfrei. Nur sein Perfektionismus macht sich überall bemerkbar.
Mein Sohn wird nächste Woche 12 Jahre alt und das ganze hat mich leichten Zwöngen vor circa einem Jahr angefangen.
Es ist erschreckend zu lesen das dein Sohn nicht mehr in die Schule gehen kann.
Das darf bei uns nicht passieren hoffe ich .
Ich hab die Hekscher Klinik und das schwabinger Krankenhaus angefragt. Aber das dauert alles mit Vorgesprächen. Noch nimmt man mich nicht so ernst hab ich das Gefühl . Die Hekscher Klinik nimmt nur bei Eigen oder fremd Gefährdung auf.
Bin gerade ratlos.
Liebe Grüße
Marion
Noemi
Beiträge: 4
Registriert: Sa 24. Feb 2024, 18:32

Re: Austausch - Sohn 13 an schweren Zwangsstörungen erkrankt

Beitrag von Noemi »

Hallo Marion,

wir waren vor ca. 6 Wochen in der Ambulanz zum Gespräch in der Heckscher Klinik. Bei meinem Sohn wurde es die letzten Wochen so akut, dass er jetzt vor wenigen Tagen in der offenen Krisenstation aufgenommen wurde. Er ist jetzt dort und er kommt soweit gut zurecht.
Melde dich für ein Gespräch in der Ambulanz an. Den Anmeldebogen findest du auf deren Internetseite. Auch wenn es einige Wochen dauert, bis man zum Gespräch eingeladen wird. Es ist besser, als lange zu warten und am Ende mit nichts da zu stehen, wenn es vielleicht akut wird (wie es bei uns zum Schluss war). Ich weiß nicht, wie ich die letzten Wochen überstanden habe... Allerdings ist das Gefühl, ihn jetzt im Moment nicht mehr bei uns zu haben, auch sehr schwer. Auch wenn ich weiß, er ist dort im Moment besser aufgehoben. Zu Hause ging es einfach nicht mehr... Und für eine ambulante Behandlung ist die Situation zu weit fortgeschritten. Ich wünsche Euch alles Gute und viel Kraft! Liebe Grüße, Noemi
Morena
Beiträge: 5
Registriert: Sa 23. Mär 2024, 22:31

Re: Austausch - Sohn 13 an schweren Zwangsstörungen erkrankt

Beitrag von Morena »

Danke liebe Noemi für deine Tipps.
Seit ihr auch aus München? Hab bei der Hekscher schon angerufen aber die nehmen wohl nur bei eigen oder fremd Gefährdung schnell auf. Aber dann werde ich mich dort erstmal ambulant vorstellen. Hoffe auf einen baldigen Termin. Das dein Sohn jetzt in der Klinik ist finde ich schon sehr heftig aber ich muss muss mich wohl auch an den Gedanken gewöhnen. Mein Sohn will zwar Therapie aber keine Klinik. Er will immer bei mir sein. Und keinen Tag in der Schule verpassen. Jetzt seit Ferien Beginn sind die Zwänge nicht mehr so extrem und er ist insgesamt entspannter.
Wie lange muss dein Sohn in der Klinik bleiben oder wie lange ist so was angedacht?
Schöne Ostern
Viele liebe Grüße
Marion
Noemi
Beiträge: 4
Registriert: Sa 24. Feb 2024, 18:32

Re: Austausch - Sohn 13 an schweren Zwangsstörungen erkrankt

Beitrag von Noemi »

Liebe Marion,

wir sind auch aus München...
Mein Sohn wollte auch unbedingt weiter in die Schule gehen. Er hat es nur irgendwann einfach nicht mehr geschafft. Die Einsicht, dass es so nicht weiter geht, war dann bei ihm auch dadurch relativ schnell da. Die Krisenstation ist erst mal für ca. 4 Wochen angedacht. Wie es dann weiter geht, wird zusammen entschieden... Er möchte natürlich so schnell wie möglich wieder in seinen Alltag zurückkehren. Nur leider ist das wahrscheinlich nicht so schnell möglich. Bringt ja nichts, wenn wir voreilig versuchen wieder Normalität zu leben, wenn die Folge wäre, dass wir binnen kurzer Zeit wieder am Anfang stehen... Davor hab ich halt Angst...
Liebe Grüße und euch auch schöne Ostern!
Noemi
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