Hallo,
ich bin Mitte 20, habe relativ stark ausgeprägte Wasch- und Hygienezwänge (bereits seit mehreren Jahren) und habe auch eine diagnostizierte Depression. Ich war schon immer eine sehr gründliche, gepflegte und aufgeräumte Person, aber seit mehreren Jahren ist so ausgeprägt, dass es sehr einschränkend, extrem anstrengend und erschöpfend ist.
Ich habe häufig den Eindruck, dass sich Freunde & Bekannte eher abwenden, wenn ich meine Erkrankungen nicht verstecke. Ich bin sehr gut darin, mich so zu verhalten, dass ich nach außen hin als „normal“ (ich mag diese Art der Beschreibung von Menschen eigentlich überhaupt nicht) gesehen werde. Aber erfüllende Freundschaften entstehen dadurch bisher so gut wie gar nicht (weil ich eben nie so bin, wie ich eigentlich wirklich bin bzw. nie kommunizieren kann / möchte, was mich wirklich beschäftigt). Ich finde, dass ein echter Freund/Freundin einen so akzeptieren sollte, wie man ist. Welche Erfahrungen habt ihr damit gesammelt ? Habe ich bisher nicht die richtigen / passenden Menschen getroffen ? Bin ich einfach sozial unerwünscht aufgrund meiner Erkrankungen und es ist somit kein Wunder, dass sich andere Menschen oft so verhalten ? Ich habe auch den Eindruck, dass ich in den Augen Nicht-Erkrankter Personen ähnlichen Alters eine Belastung bin, weil vieles für mich eben nicht so leicht und locker möglich ist wie für die meisten. Ich denke, vor allem die 20er sind doch eigentlich die Zeit, in der sich die Freundschaften entwickeln, die bleiben.
Mir ist bewusst, dass andere Mitmenschen die Zwänge nicht unterstützen sollten, etc. (diese Art von Aussage brauche ich daher wirklich nicht;)). Ich mache auch eine Psychotherapie und habe schon einige Fortschritte machen können. Ich denke aber, Veränderung beginnt da, wo man anfängt, sich selbst zu akzeptieren.. fällt nur schwer, wenn es gefühlt 95% des eigenen Umfelds nicht tun.
Zwänge und echte Freundschaften
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AllesImReinen
- Beiträge: 2
- Registriert: Fr 26. Dez 2025, 19:02
Re: Zwänge und echte Freundschaften
Hi,
wir sind in einem ähnlichen Alter mit ähnlichen Diagnosen und wie bei dir laufen meine Zwänge in der Öffentlichkeit auch sehr unauffällig ab, wenn ich sie verbergen möchte.
Bisher war es so, dass ich mir eher selber im Weg stand, als dass die anderen Personen unfreundlich waren, so habe ich zum Beispiel in einer Hochpase schon potentielle Bekanntschaften abgeblockt, weil die Person eine einzige auf Zwangssicht unhygienische Eigenschaft hatte.
Zum Thema Freunde habe ich aber zum Glück fast nur neutrale bis positive Erfahrungen gemacht: Es gibt die Sorte Leute, denen ich es einmal in einer bestimmten Situation gesagt habe und es dann meist ein einziges längeres Gespräch gab („Es fällt mir gerade aus den und den Gründen schwer mit auf die Party zu kommen, weil ich das und das habe“ - „Oh, erzähl mal“). Danach wurde das Thema eigentlich dann meist nie wieder erwähnt, ich bin mir nicht sicher, ob aus Unsicherheit dem Thema gegenüber oder ob es ihnen einfach egal ist und nichts an ihrer Wahrnehmung an mir ändert.
Dann habe ich Freunde, bei denen ich gar keine Scheu haben muss, irgendwas zu erwähnen. Also nicht das der Zwang permanent Thema ist, aber ich fühle mich wohl genug, sogar nebenbei mal ne Sache aus meiner Therapie oder so zu erwähnen oder mich auch mal auszuheulen.
Bitte fühle dich nicht sozial unerwünscht. Der Zwang beeinflusst natürlich soziale Beziehungen, aber am Ende macht er dich nicht aus. Ich hoffe, du findest irgendwann deine Leute
LG
Ronny
wir sind in einem ähnlichen Alter mit ähnlichen Diagnosen und wie bei dir laufen meine Zwänge in der Öffentlichkeit auch sehr unauffällig ab, wenn ich sie verbergen möchte.
Bisher war es so, dass ich mir eher selber im Weg stand, als dass die anderen Personen unfreundlich waren, so habe ich zum Beispiel in einer Hochpase schon potentielle Bekanntschaften abgeblockt, weil die Person eine einzige auf Zwangssicht unhygienische Eigenschaft hatte.
Zum Thema Freunde habe ich aber zum Glück fast nur neutrale bis positive Erfahrungen gemacht: Es gibt die Sorte Leute, denen ich es einmal in einer bestimmten Situation gesagt habe und es dann meist ein einziges längeres Gespräch gab („Es fällt mir gerade aus den und den Gründen schwer mit auf die Party zu kommen, weil ich das und das habe“ - „Oh, erzähl mal“). Danach wurde das Thema eigentlich dann meist nie wieder erwähnt, ich bin mir nicht sicher, ob aus Unsicherheit dem Thema gegenüber oder ob es ihnen einfach egal ist und nichts an ihrer Wahrnehmung an mir ändert.
Dann habe ich Freunde, bei denen ich gar keine Scheu haben muss, irgendwas zu erwähnen. Also nicht das der Zwang permanent Thema ist, aber ich fühle mich wohl genug, sogar nebenbei mal ne Sache aus meiner Therapie oder so zu erwähnen oder mich auch mal auszuheulen.
Bitte fühle dich nicht sozial unerwünscht. Der Zwang beeinflusst natürlich soziale Beziehungen, aber am Ende macht er dich nicht aus. Ich hoffe, du findest irgendwann deine Leute
LG
Ronny
Re: Zwänge und echte Freundschaften
Hallo,
ich denke dann sind es keine echten Freunde.
Ich habe meine Freundinnen schon lange und nicht eine davon meidet mich deswegen oder ähnliches.
Ich finde es gut wenn Du dazu stehst und auch darüber redest. Echte Freunde sollten damit klar kommen und man sollte auch mit ihnen darüber reden können.
ich denke dann sind es keine echten Freunde.
Ich habe meine Freundinnen schon lange und nicht eine davon meidet mich deswegen oder ähnliches.
Ich finde es gut wenn Du dazu stehst und auch darüber redest. Echte Freunde sollten damit klar kommen und man sollte auch mit ihnen darüber reden können.
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Alpha Centauri
- Beiträge: 41
- Registriert: Di 17. Apr 2018, 19:21
Re: Zwänge und echte Freundschaften
Es regelt sich ganz automatisch. Du wirst mehr mit den Freundinnen und Freunden unternehmen, die Verständnis für Dich haben, Dir Halt geben, einfühlsam sein können, sich einfach für Dich interessieren.AllesImReinen hat geschrieben: So 18. Jan 2026, 08:14 Ich finde, dass ein echter Freund/Freundin einen so akzeptieren sollte, wie man ist. Welche Erfahrungen habt ihr damit gesammelt ? Habe ich bisher nicht die richtigen / passenden Menschen getroffen ?
In meinem Leben habe ich immer wieder Menschen aussortiert, Dir mir nicht gutgetan haben. Auch wenn sie sich selbst vielleicht als sowas wie "beste Freunde" gesehen haben.
Sich stets verstellen zu müssen, anderen durchweg etwas vorzuspielen, ist einfach anstrengend. Und wenn Du dann bei diesen sozialen Kontakten so sehr mit Dir selbst beschäftigt bist, kommt bei Dir ja auch nur ein Teil von dem an, was Soziale Kontakte/ Freundschaften an Positivem bringen.
Versteh mich bitte nicht falsch: Du hast keinen Handlungsdruck! (Den baut ja in der Regel die OCD auf.) Es wird sich regeln. Quasi automatisch. Du wirst immer mal wieder neue Leute kennenlernen. Und daraus wachsen dann auch neue Freundschaften und Kontakte zu Menschen, die einem nicht so gut tun, werden dann auch weniger. Du wirst ein verträgliches Maß finden.
Geh achtsam mit Dir um!
Gruß, M.