Zeit hinzuschmeißen?

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tim_010101
Beiträge: 1
Registriert: Sa 28. Mär 2026, 20:09

Zeit hinzuschmeißen?

Beitrag von tim_010101 »

Hi Forum,

ich bin neu hier und heiße Tom. Meine Frau ist seit rund 18 Jahren putzsüchtig. Jeden Tag wird das halbe Haus auf links gedreht und gewischt, gesaugt und was weiß ich.

Die Reinigungen führen schon lange dazu, dass Möbel und Fußböden aufquellen und immer schlimmer aussehen. Dazu ist alles eine Qual. Der komplette Alltag richtet sich nach der Putzerei.

Es spiegelt sich in allen Facetten wider und ich bin auch der Meinung, dass selbst ich ihr zu dreckig bin. :(

Jegliche Art von Partnerschaft ist seit rund 2 Jahren komplett zum Erliegen gekommen und auch vorher war es in der Regel nur sehr einseitig und von mir ausgehend.

Ein normaler Alltag ist überhaupt nicht mehr möglich. Kumpels, Freunde und selbst Freunde der Kinder werden möglichst ferngehalten, damit keiner den Alltag durcheinanderbringt oder gar Schmutz ins Haus bringt.

In Behandlung ist sie seit ewiger Zeit, ich meine seit deutlich über 10 Jahren. In ihren Augen macht sie wahrscheinlich Fortschritte, aber ich bin der Meinung, speziell in den letzten ein bis zwei Jahren ist es so extrem geworden, dass ich jegliche Hoffnung aufgegeben habe. Sogar Papier in einem Papierkorb ist ein Problem um mal ein eher simples Beispiel zu nennen.

In meinen Augen lässt die Gesamtsituation, speziell im Hinblick auf unsere Kinder, (noch) keine Trennung zu. Seit Jahren spiele ich allerdings schon mit dem Gedanken. Es ist einfach viel zu viel kaputt und man entwickelt so langsam aber sicher einen regelrechten Hass.

Dass mir hier in diesem Forum keiner die ultimativen Tipps geben kann, ist mir natürlich bewusst. Warum ich das hier schreibe, weiß ich wahrscheinlich selbst nicht. :cry:

Da ich aber seit fast zwei Jahrzehnten irgendwie alleine mit diesem Problem dastehe, habe ich nun wohl den Drang, es einfach mal irgendjemandem zu erzählen. Und wenn es eben ein öffentliches Forum ist.

Vielleicht ist ja hier der eine oder andere dabei, der Ähnliches erlebt hat oder erlebt. Vielleicht kann man sich ja zumindest etwas austauschen. Wirklich ändern wird sich aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts. Das ist mir schon klar. Wer Lust hat, kann ja einfach mal seine Gedanken mitteilen.

VG
Tom
Erich
Beiträge: 2
Registriert: Mo 19. Mai 2025, 09:13

Re: Zeit hinzuschmeißen?

Beitrag von Erich »

Hallo Tom,

ich glaube ich spreche im Namen aller registrierten Benutzer dieses Forums, wenn ich dir sage: ich danke dir für deinen Mut und deine Bereitschaft, deine Sorgen und Erfahrungen zu teilen. Ich persönlich kann dir natürlich keinen Ratschlag geben, wie du mit deiner Beziehung umgehen solltest und was du tun solltest. Ich befinde mich selbst auch in einer schwierigen Situation, aber nicht als Angehöriger, sondern als ein Betroffener. Ich bemühe mich zur Zeit eine Stationäre Psychotherapie zu bekommen. Da ich bis jetzt keine Medikamente und auch keine Psychotherapie erhalten habe, kann ich nicht viel dazu sagen, wie was wirkt usw.

Nun zu dir:
Ich finde deine Situation sehr belastend. Ich habe eine Freundin und mache mir ständig Gedanken, wie sie sich dabei fühlt. Allerdings ist es bei mir nicht so schlimm, als dass ich Sie in meine Rituale mit einbeziehe. Also schon, aber sie muss nicht alles so machen, wie ich das tue. Ich frage vielleicht öfter mal "Hast du dir die Hände gewaschen?" o.ä. aber ich kontrolliere es nicht, wie sie das tut oder ob sie das tut. Allerdings schäme ich mich sehr dafür und ich spreche auch mit ihr darüber, dass ich das eigentlich nicht möchte und, dass es mir sehr leid tut, dass die Situation gerade so ist, wie sie ist.

Ich habe sehr viel über diese Krankheit gelesen und ich habe mich auch viel mit dem Psychotherapiebereich beschäftigt. Ich maße mir in diesem Bereich allerdings keine Kenntnisse an. Was man liest ist aber vor allem, dass sich bei falscher Therapie (durch nicht spezialisierte Therapeuten) oder nicht hoch frequentierte Exposition keine Besserung der Symptome erreicht werden kann. Wenn deine Frau schon lange in Therapie ist, sich aber keine Besserung einstellt, dann würde ich versuchen nochmal alternative Therapieangebote zu suchen (andere Klinken). Ich spreche ausdrücklich nicht, von irgendwelcher "alternativer" u.a "Heilpraktiker", sondern einfach andere Klinken und damit verbundenen Stationären Aufenthalten. Zwänge lassen sich, laut Studienlage, sehr gut behandeln, allerdings muss eine wirklich spezialisierte Behandlung erfolgen. Viele Therapeuten führen leider keine vernünftige Therapie durch, die deshalb auch keine Besserung verursacht.

Ein gutes Beispiel für so etwas ist z.B. das four-day-treatment (B4DT) aus Norwegen, in welchem sogar nach 4 Tagen (!) bereits Zwänge gelöst werden konnten, die schon länger bestanden haben. Das Universitätsklinikum Hamburg hat dies in Deutschland auch schonmal erfolgreich durchgeführt.

Ich kann noch eine Sache sagen, die ich hier vielleicht auch nochmal platzieren sollte: Ich persönlich habe nie Medikamente genommen. Das aus zwei Gründen: ich denke nicht, dass Medikamente eine Besserung bringen. Ich denke, dass das ein "rumdoktern" ist. Erst das, dann einschleichen, schauen, dann etwas anderes, dann die Dosen ausprobieren und selbst wenn dann mal irgendeins hilft, dann ist das Problem doch nicht weg. Es wird von vielen geschrieben, dass die Probleme wiederkommen, wenn die Medikation wieder ausgeschlichen wird.

Aus meiner Wahrnehmung kann eine wirkliche und nachhaltige Besserung erst dann erfolgen, wenn wirklich eine Verhaltenstherapie begonnen wird, bei welcher dann kontrollierte Grenzerfahrungen mit der Angst durchgeführt werden. Wir können uns auch gern in den PNs weitergehend austauschen.

In jedem Fall wünsche ich dir alles Gute! Bleib stark für dich, deine Kinder und auch deine Frau!
Ela
Beiträge: 20
Registriert: Sa 11. Okt 2025, 00:05

Re: Zeit hinzuschmeißen?

Beitrag von Ela »

Hallo Tom,

ich schreibe auch als eine, die selbst mit Zwängen zu tun hat.

Mein Partner hat auch so seine Schwierigkeiten damit . Wir sind bereits über 30 Jahre zusammen und auch wenn wir auf Grund der Symptomatik mal mehr, mal weniger Streit haben, hat er mich nicht verlassen.
Obwohl ich durchaus Verständnis dafür hätte.

Das ist eine sehr individuelle Entscheidung und es kommt wohl auch sehr darauf an, wie stark die Liebe ist und wie die Beziehung vorher war.

Ich halte auch nichts davon Medikamente zu nehmen. Kein Medikament wird die Ursache für die Probleme lösen.

Ich habe jetzt etwa 5 Jahre damit zu tun. Die ersten zwei Jahre hab ich selbst gar nicht gemerkt was mit mir los ist. Es hat sich irgendwie langsam eingeschlichen.
Ich habe ein Jahr lang Verhaltenstherapie gemacht und hatte einige Stunden bei einer Traumatherapeutin.
Ich denke niemand kann das Problem für uns lösen. Ich ergründe wie die Zwänge entstehen konnten, damit ich verstehe warum ich die Handlungen durchführe. Natürlich mit dem Ziel die Handlungen nicht mehr zu brauchen.

Ob deine Frau gesund wird, kann hier natürlich niemand sagen. Überlege es Dir gut, es ist dein Leben.

Liebe Grüße
Lola76
Beiträge: 175
Registriert: Mi 23. Okt 2024, 13:53

Re: Zeit hinzuschmeißen?

Beitrag von Lola76 »

Guten Morgen Ela,

Ja, die Zwangshandlungen aufzugeben wäre sicherlich sinnvoll, auch, wenn noch andere daran involviert sind.
Du hast ja geschrieben, dass du dabei bist deine Zwangshandlungen aufzugeben. Nur welche hast du denn konkret, welche gibst du wie auf?
Das wäre ja auch für Personen, die darin involviert sind, gut zu wissen.
Mit dem Rest hast du sicher recht.
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