Leben im Chaos

FeeBe
Beiträge: 27
Registriert: Mo 14. Mai 2018, 16:15

Re: Leben im Chaos

Beitrag von FeeBe »

Ich habe mir nicht alle Antworten durch gelesen aber für mich scheint bei deinem Problem die Neurodivergenz ziemlich durch. Dieses ich kann nicht starten, wenn das System nicht steht gehört zur Bottom -Up Verarbeitung.
Dieses ich fange etwas an, es muss perfekt werden und dann ist meine Energie auf halben Weg alle und es bleibt unfertig liegen ist super typisch für ADHS. Und es kommt häufig vor, nen Kontrollzwang/Perfektionismus als überkompensation entsteht. Ich würde an deiner Stelle in Richtung ADHS weiter schauen ggf. auch gleich in Kombi mit ASS. Ich weiß es dauert ewig bis man nen Diagnoseplatz kriegt aber du könntest in der Zwischenzeit trotzdem schonmal mit anderen neurodivergenten Personen reden und ihre Strategien testen.
Froschkönigin
Beiträge: 31
Registriert: So 11. Jan 2026, 20:28

Re: Leben im Chaos

Beitrag von Froschkönigin »

Hallo FeeBe,

danke für deine Antwort. In Richtung ADHS wurde schon mal ein Test gemacht bei dem ich wohl "an der Grenze" war. Daraufhin hatte ich auch eine Zeit lang ein Medikament bekommen, aber das hat mir nicht geholfen. Von daher hab ich es aufgegeben, in dieser Richtung weiter zu gehen. Was bringt mir eine Diagnose, wenn es keine Linderung aus der Richtung gibt (z.B. durch entsprechende Medikamente).
Aber trotzdem danke für deine Antwort! :)

Im Moment beschäftige ich mich viel mit Trauma, arbeite mit dem inneren Kind und fange an mit der Polyvagal-Theorie, bzw. Vagusnerv beruhigen. Das tut mir recht gut. Zum Aufräumen hab ich Klangschalen-Meditationen entdeckt. Ich nutze die nicht zur Meditation im klassischen Sinn, sondern um meine Gedanken im Zaum zu halten. Wenn ich Musik höre, dann bin ich zu sehr mit den Gedanken bei der Musik. Wenn ich Stille hab, dann kreisen die Gedanken zu sehr um alles mögliche andere. Wenn ich Klangschalen höre ist das wie ein Hintergrundrauschen, bei dem ich mich nicht darauf konzentriere, welcher Klang wohl als nächstes kommt (anders als bei der Musik), und es verhindert gleichzeitig dass meine Gedanken anfangen zu kreisen. Erstaunlich. Ausserdem ist es ein super Timer, wenn ich z.B. eine Session von 30 Min. hab (bei YouTube), dann kann ich genau 30 Minuten aufräumen. ;)

Im Zusammenhang mit Trauma hab ich mich auch mit Traumdeutung beschäftigt und musste feststellen, dass meine Kindheit mich wohl doch mehr kaputt gemacht hat, als mir das bisher bewusst war. Ich wusste, dass es nicht schön und nicht einfach war. Aber dass es für mein Nervensystem so dramatisch war wie es wohl tatsächlich ist, das hat mich doch ziemlich überrascht. Aber das Gute daran ist: ich hab jetzt vieles besser verstanden und bin wieder einen Schritt weiter gekommen und kann daran arbeiten. :)

Die letzten Tage habe ich auch Stück für Stück (fast jeden Tag) ein bisschen mehr Ordnung gemacht. Ich habe Dinge geschafft, die ich seit Wochen oder Monaten nicht mehr geschafft habe (z.B. endlich meine vielen Putzlappen waschen statt immer wieder neue zu kaufen). Irgendwas hat in meinem Kopf KLICK gemacht. :) Ich denke, es waren vor allem 2 Dinge: wenn das System im Überlebensmodus ist, dann ist im Gehirn der Bereich blockiert, der eigentlich für Entscheidungen usw. zuständig ist. Man nennt das wohl die Exekutiv-Funktion des Gehirns. Wenn ich es also schaffe, mein Nervensystem zu beruhigen und aus dem Überlebensmodus raus zu kommen, dann kann ich wieder besser Dinge Entscheiden und Handlungen ausführen, ich kann AGIEREN statt REAGIEREN. Das 2. was mir super hilft im Moment ist quasi mein neues Mantra: "done is better than perfect" = erledigt ist besser als perfekt. Wenn ich mich mal wieder im Kleinkram verliere, dann sage ich mir diesen Satz immer wieder mal und versuche dadurch meinen Perfektionismus zu bremsen. Und bisher klappt das recht gut. Ich werde mir diesen Satz vermutlich als Wandbild in den Flur pinseln, um mich in Zukunft täglich daran zu erinnern.
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