Ich, weiblich, 43 Jahre alt, ledig, keine Kinder - wenig bis kein Kontakt zur sonstigen Familie, kaum wirklich Freunde oder Bekannte. Seit Jahren irgendwie immer wieder depressiv - und seit Jahren lebe ich zu Hause (in verschiedenen Wohnungen) im Chaos. Eigentlich dachte ich, ich wäre irgendwie ein Messie. Aber es stellt sich mehr und mehr raus, dass ich unter Zwängen leide, vielleicht spielt auch ein wenig die Neigung zu ADS mit rein, die Depressionen sowieso. Dazu immer mehr auch körperliche Einschränkungen.
Im Grunde genommen sehne ich mich nach einer sauberen, ordentlichen Wohnung. Ich liebe es, wenn alles ordentlich ist, aber es muss halt leider perfekt sein... Ich bin durchaus in der Lage zu erkennen, was Müll ist und was nicht. Aber ich bin hoffnungslos damit überfordert, diese ersehnte Ordnung herzustellen und die nicht mehr brauchbaren Sachen zu entsorgen.
Warum, wieso, weshalb, wie genau mein Leben aussieht usw. - dazu werde ich hier immer wieder ein paar Einblicke geben.
Los geht's...
Mein Hauptproblem ist ein mittlerweile ziemlich stark ausgeprägter Kontrollzwang. Dazu mein Perfektionismus. Ziemlich schlechte Kombi, würd ich sagen...
Aufräumen und Putzen wird nahezu unmöglich dadurch, denn:
1. bin ich endlos damit beschäftigt, ToDo-Listen zu schreiben, detailliert ausgeklügelte Putzpläne für jede Kleinigkeit zu schreiben, Excel-Tabellen zu schreiben, zu verwerfen, neu zu schreiben, umzuschreiben, auszudrucken, wegzuwerfen, neu schreiben, wieder ausdrucken, verbessern, umschreiben, usw. - ihr seht schon wohin das führt: ich komme oft nicht über den Schritt der Planung hinaus.
2. muss alles perfekt sein. Wenn es nicht perfekt ist, krieg ich die Krise und hab das Gefühl, dass das was ich grade mache, völlig sinnlos ist und ich eigentlich nochmal von vorn anfangen müsste. Somit passiert es immer wieder, dass ich Schränke und Regale ausräume, teilweise ganze Zimmer leer räume (ausser die großen Möbel) um die Chance zu haben, alles 100% zu putzen und dann auch 100% einzuräumen. Ich fange quasi bei 0 an und möchte am Ende bei 100 sein. Nur leider gibt es da noch ein...
3. ich putze sehr lang und ausführlich, wische manchmal 2-3 mal über die selbe Stelle, vor allem wenn ich noch kein Schema oder Raster zum Putzen habe für diesen Raum/dieses Möbelstück usw. Den Boden z.B. muss ich irgendwie in "Planquadrate" einteilen können, die ich dann beim Wischen Stück für Stück abarbeiten kann. Und dann kommt zu allem Unglück noch...
4. dazu: mein Kontrollzwang: wenn alles ausgeräumt ist, muss jedes Teil erst sorgfältig kontrolliert werden (auf Vollständigkeit, auf Sauberkeit, auf "fremde Dinge" die ggf. am Gegenstand haften und dort nicht hingehören) und dann muss ich auch noch den perfekten Platz dafür gefunden haben, bevor es eingeräumt wird. Ach so, nicht zu vergessen, dass ich erst nochmal die leeren Möbel kontrolliere und den Boden, ob sie auch wirklich sauber sind, bevor ich was einräume...
Klingt anstrengend? Ist es auch... es kostet Kraft und es kostet vor allem immens viel Zeit - Zeit, die ich eigentlich nicht habe. Und auch Kraft, die ich eigentlich nicht habe, bzw. könnte ich meine wenige Kraft sicherlich sinnvoller nutzen und für schönere Dinge.
Das Ergebnis? Ich versinke im totalen Chaos... die aus dem einen Zimmer ausgeräumten Sachen landen in einem anderen Zimmer, landen dann irgendwann in div. Schachteln, die Schachteln werden ständig von einem Zimmer ins andere verschoben (je nachdem, in welchem Zimmer ich grade denke "da fange ich jetzt nochmal bei 0 an" oder wo grade Platzbedarf ist).
Leider brauche ich für alles ein "perfektes System", sonst fange ich oft gar nicht erst an... fatal... auch was das Thema Müll entsorgen betrifft. Da habe ich noch kein (für mich) funktionierendes System gefunden. Von daher liegt leider auch immer wieder Müll überall rum - bis ich es zwischendurch mal schaffe, einen Eimer mit Tüte herzurichten und etwas davon zu entsorgen. Allerdings muss ich auch da jedes Teil kontrollieren... was wieder ewig dauert. Und wenn die Mülltüte nicht gleich aus der Wohnung raus wandert, kann es passieren, dass ich den ganzen Kram am nächsten Tag nochmal kontrolliere... oder vielleicht auch noch ein 3. mal, wenn die Sachen wieder nicht gleich in die Tonne wandern nach der 2. Kontrolle. Genauso muss jedes andere Teil kontrolliert werden, was aus der Wohnung raus soll, egal ob Leergut, Spenden, Rückgabe von geliehenen Sachen usw. Vorhin habe ich z.B. 2 Getränkekisten (halb gefüllt mit Leergut) aus dem Auto wieder raus geholt und nochmal mit zurück in die Wohnung genommen. Warum? Nun: weil ich am Freitag in der Werkstatt war mit dem Auto und der Mechaniker mir was in den Kofferraum gelegt hat (ohne mich zu fragen). Also war jemand Fremdes dran. Ausserdem stehen die beiden Kisten schon länger im Auto und ich bin mir nicht mehr sicher, ob das auch wirklich alles zu 100% ok ist und weg kann und... nun ja. Fang ich halt wieder von vorne an: Kiste putzen, jede Flasche putzen und jede Flasche kontrollieren. Und wenn die Flaschen in der Kiste sind, dann nochmal kontrollieren, ob es auch wirklich die richtige Kiste ist für diese Flasche und ob die Kiste voll ist oder noch eine Flasche fehlt...
Anderes Beispiel:
vor ein paar Tagen habe ich meinen Kleiderschrank geputzt, weil mein Schlafzimmer das "von 0 auf 100" Projekt war. Ich habe dazu alle Kleidung ausgeräumt - und vor dem Einräumen alles nochmal kontrolliert: Kleiderbügel sauber gemacht und kontrolliert, jedes Stück Kleidung an den Nähten kontrolliert ob was kaputt ist, dann geschaut ob ich alle lästigen Etiketten schon entfernt hab, dann kontrollieren ob alle Knöpfe und Reißverschlüsse zu sind, dann dran riechen ob es noch frisch riecht - und dann natürlich säuberlich falten und weg räumen bzw. aufhängen. Und wenn alles drin ist, nochmal schauen ob auch wirklich alles am richtigen Platz ist. So kann man schon mal 1-2 Tage damit verbringen, einen Kleiderschrank zu putzen... und der Witz ist: mehr als die Hälfte meiner Kleidung befindet sich aktuell gar nicht mal im Schrank...
Und dann hab ich auch noch Bücherregale im Schlafzimmer: die hab ich auch komplett leer geräumt. Und bin aktuell dabei, jedes Buch einzeln zu kontrollieren, bevor ich es wieder zurück stelle ins Regal. Dazu blättere ich jede Seite einzeln um, schaue ob ggf. Zettel im Buch liegen die da nicht hin gehören oder ob irgendwo was mit Bleistift drin steht (warum auch immer) was ich ausradieren muss, usw. Und beim Durchblättern zähle ich die Seiten mit, damit ich sicher bin, dass ich auch keine Seite überblättert hab...
So, das waren erst mal genug schockierende Stories für heute... Ich wünsch euch noch einen schönen Abend!