Hallo,
also ich kenne das mit der Familie. Meine Zwänge beziehen sich ja ganz stark auf meine Familie und was mit ihnen zu tun hat. Bei mir denke ich hat es was mit Abrenzung zu tun. Also der Zwang hat mir irgendwie geholfen mich abzugrenzen, weil ich es anders nicht konnte. Bei mir ist ja alles was meine Familie berührt irgendwie dreckig für mich, sie selber auch. Manchmal sind es aber auch andere Menschen. Ich habe oft festgestellt, dass meine Zwänge dann schlimmer werden wenn ich mit zwischenmenschlichen Situationen nicht besonders gut klar komme. Auch in Beziehungen habe ich den Eindruck, läuft alles prima machen sich auf einmal die Zwänge breit. Ich kann da bei mir verschiedenes beobachten.
Bei meiner Familie führt es dazu, dass ich sie nicht so oft besuchen kann. Sie wissen das auch. Aber die Frage ist vielleicht WILL ich sie überhaupt so oft besuchen? Der Zwang nimmt mir die Entscheidung ab, ebenso auch etwas das schlechte Gewissen.
Bei Freunden die mich verletzt haben, habe ich es auch schon erlebt, dass sie dann dreckig für mich waren. Vielleicht meine Art damit umzugehen und die Beziehung zu ihnen zu knicken, sie nicht mehr zu treffen sondern nur noch zu schreiben? Weil ich weder damit umgehen kann den Kontakt ganz abzubrechen noch damit ihn wieder ganz zuzulassen?
Und in Beziehung vielleicht, weil der Zwang der beste Grund ist um die Beziehung zum scheitern zu bringen. Nicht weil ich es will, aber wenn es daran liegt, liegt es wenigstens nicht an mir. So lange der Zwang da ist, steht außerdem irgendwie was im Weg, ich lasse also niemand so nah an mich ran, ohne Zwang. Würde dann die Beziehung enden gäbe es ja keinen triftigen Grund sondern ich müsste so damit zurecht kommen, wenn ihr versteht was ich meine...
Naja nur so ein paar Gedanken, die ich zwischendurch mal habe.
Ich wollte auch schon länger mal wieder schreiben, aber ich komme gar nicht mehr mit

Zu dem Thema Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologische Therapie. Ich bin da auch hin und hergerissen. Ich habe ja vorher Schematherapie gemacht, das ist aber wohl auch eine Form von Verhaltenstherapie. Da arbeitet man auf, was man sich so für Mechanismen als Kind antrainiert hat und versucht dann eben ein neues, anderes Verhalten anzunehmen. Man arbeitet also viel mit dem "inneren Kind".
@Fabian Was genau macht man denn aber mit einer Zwangsstörung in der tiefenpsychologischen Therapie? Wird das dann auch konkret angegangen oder arbeitet man eher dann an den familiären Themen und die Zwangsstörung eher nebenher?
Was ich so gelesen habe, gibt es ja verschiedene Komponenten die vermutlich zu einer Zwangsstörung beitragen. Dazu gehören
- bestimmte Charakterzüge/Persönlichkeitsmerkmale
- Lebensereignisse (dazu gehören auch die im klassischen Sinne als Trauma kategorisierten Sachen aber eben nicht nur, es kann auch ein Umzug sein, oder ständige Streitereien in der Familie, Scheidung etc.)
- gewisse Sachen die in der Erziehung schiefgelaufen sind (wenig Lob viel Kritik, überordentliche Eltern oÄ.) durch die Eltern oder andere nahestehende Personen wie Lehrer
- erbliche Komponente, wobei es kein Zwangs Gen gibt und man meiner Meinung nach zu wenig darüber weiß
- familiäre Häufung, die nicht unbedingt durch Vererbung geschehen muss sondern eben durch angelerntes Verhalten/Erziehung
- veränderte Hirnaktivität, wobei man hier nicht weiß ob das durch die Zwangsstörung geschieht oder Ursache für die Zwangsstörung ist. Klar ist aber dass sie die Veränderungen wieder zurückbilden können.
Bei mir selber trifft einiges zu:
- Charaktereigenschaften wie Anhänglichkeit, Sensibilität, Gewissenhaftigkeit
- Unfall als Kleinkind bei dem ich eine Gehirnerschütterung hatte, Mobbing in der Schule, beste Freundin ist von einem Tag auf den anderen umgezogen, im Nachbarort wurde ein Mädchen ermordet und in den Fluss geworfen, natürlich hatten unsere Mütter eine Heidenangst um uns und wir durften nicht mehr alleine zum Schulbus gehen usw
- ständige Streitereien und fast Trennungen meiner Eltern, wenig Lob, viel Kritik, meine Mutter ist überordentlich und immer sehr streng mit Sauberkeit, sie ist außerdem extrem ängstlich und hat mir bei allem was ich getan habe gleich noch eine Warnung mitgeschickt (mach dies und das nicht, sonst passiert dies und das), meine Eltern haben sehr hohe moralische Vorstellungen außerdem kritisieren sie jeden und erwarten eigentlich immer das Schlechteste von Menschen, noch dazu wissen sie immer am besten was "wahr" ist, weil sie ja die Eltern sind, des weiteren haben sie einen Hang dazu alles zu interpretieren und zwar so wie es in ihre negative Vorstellung passt. Da werden eigentlich "magische" Zusammenhänge gezogen. ZB. mein Vater hat als ich 19 war in meiner Schublade eine Zigarettenpackung gefunden, meine Schublade stand offen. Mein Vater verirrte sich normalerweise nie in meinem Zimmer. Sein Fazit: Du hast das unbewusst da liegen lassen weil du mich unbewusst darauf aufmerksam machen wolltest. Mein jetziges Fazit wäre einfach: verdammter Zufall, kommt vor und hatte nichts zu bedeuten.
- familiäre Häufung kommt bei mir vor und zudem gibt es noch ein paar andere psychische Erkrankungen in der Familie (wobei ich mich ja frage ob das nicht einfach an der Erziehung und den Erlebnissen liegt, weil da wurde nichts besonders gut aufgearbeitet), dswg vermutlich auch eine genetische Disposition
- Ich bin hypersensibel was Geräusche, Gerüche und Berührungen angeht, ich frage mich ob das evtl etwas mit den veränderten Hirnregionen zu tun hat. Habe letztens was über Überschneidungen bei ADS (ADHS) und Zwangsstörungen gelesen und es trifft ziemlich auf mich zu.
- noch dazu kommt dass ich als Kind Streptokoppenentzündungen hatte, es gibt wohl Verbindungen von plötzlichen Zwangsstörungen mit Streptokoppenentzündungen (PANDAS), so dass ich mich natürlich frage ob das was miteinander zu tun haben könnte
Nachdem ich das alles in Therapien herausgearbeitet habe, glaube ich dass tatsächlich viele Verkettungen und Ereignisse zusammen zu meiner Zwangsstörung geführt haben.
Ich mache ja aber jetzt gerade Verhaltenstherapie weil ich eigentlich keine Lust mehr hatte so viel zu quatschen sondern mehr ins machen kommen wollte. Gefühlt weiß ich worans liegt jetzt muss ich es mir abtrainieren.
Ich denke auch, dass wenn man mich als Kind gleich zu einer Verhaltenstherapie geschickt hätte, wäre das die beste Lösung gewesen, da wäre es noch egal gewesen, warum ich Zwänge habe.
Aber nach so vielen Jahren, in denen ich immer nach den Gründen gesucht habe, was mit mir schiefgelaufen ist, ist es denke ich kaum möglich ohne etwas tiefer zu gehen. Ich habe ja letzendlich weitere Zwänge daraufhin entwickelt, weil ich Angst bekommen habe, als Kind ein Traumata erlebt zu haben, weil ich eine Zwangsstörung habe. Kann also auch fatal sein, wenn man die Gründe in der Vergangenheit sucht (und dabei nicht therapeutisch begleitet wird). Warum ich genau die Zwänge habe, die ich habe, habe ich durch die vielen verschiedenen Therapien allerdings denke ich schon herausgefunden was mir eben jetzt nach so langer Zeit hilft, besser damit umgehen zu können.
Wenn ich mir meinen Text jetzt selber noch mal so durchlese kann ich mir auch durchaus vorstellen, dass mein Zwang viele verschiedene Funktionen hat. Emotionsabwehr bzw Verarbeitung, Abgrenzung und Schutz vor Verletzung und vermutlich noch einige mehr.