Emotionale Beweisführung abstellen

Jessi
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Re: Emotionale Beweisführung abstellen

Beitrag von Jessi »

Danke :) ich bin bei Spotify immer unschlüssig wie regelmäßig ich mir sowas anhören kann, da ich keinen eigenen Account habe.
Englisch ist für mich auch kein großes Problem, auch wenn das Sprechen ziemlich eingerostet ist. :lol:

Bis die Medikamente wirklich richtig wirken dauert es ja auch einige Wochen. Sie wirken auch bei jedem unterschiedlich, dennoch finde ich Erfahrungsberichte stets hilfreich.
Ich habe großen Respekt vor deren Wirkung, aufgrund der Nebenwirkungen und auch der Tatsache, dass man sie nicht von einem auf den anderen Moment wieder absetzen kann. Andererseits bin ich auch sehr neugierig, vor allem da ich häufig gelesen habe, dass sie für viele die Expositionen erst vollkommen ermöglichen. Falls dadurch die Gedanken und Gefühle in die richtige Bahn gelenkt bzw zumindest leiser gestellt werden, dann hat man bei jeder Expo schließlich einen größeren Erfolg.

Die Gedanken habe ich auch häufig. Gestern schlich sich beispielsweise während der Arbeit auch ein Gedanke ein, welcher mich in ein Szenario des gedanklichen Prüfens versetzt hat. Es folgte ein unangenehmes Gefühl und die Angst nun wieder tiefer in den Kreislauf zu rutschen. Ich konnte mich aber zum Glück ablenken und kurz darauf war dieser Gedanke, eben einfach als Gedanke abgehakt.
Ich kenne dein Problem aber nur zu gut. Leider weiß ich nicht genau, was ich getan habe, um mich auch wieder auf andere Dinge konzentrieren zu können. Ich glaube mir hat das selbst zusprechen, falls möglich auch laut, sehr geholfen. Also Dinge wie: Stopp, ich darf diese Gedanken haben, sie haben jedoch nichts über mich zu sagen und sie entsprechen nicht meinem Willen, o.Ä.
Irgendwann habe ich auch bemerkt, dass Ablenkung mir am meisten hilft zu realisieren, dass es einfach nur Zwangsgedanken sind und nichts womit ich mich real auseinandersetzen müsse. Damit habe ich mich, soweit es möglich war, auf andere Tätigkeiten konzentriert.
Außerdem hilft mir Bewegung sehr viel. Das habe ich gestern auch wieder sehr gut gemerkt. Am besten Ausdauersport.
Ich hoffe, sie schlagen bei dir gut an. :)

LG Jessi
fabian123

Re: Emotionale Beweisführung abstellen

Beitrag von fabian123 »

Hallo zusammen,
der Austausch mit euch ist echt super, dass kann ich nicht oft genug sagen :)
Mir ging es gestern und vorgestern sogar auch ganz gut. Ich merke wie immer wieder aktuell Zwangsgedanken kommen, aber gleich wieder weg gehen.

Was ist anders mache? Eigentlich nichts. Ich versuche keinem Zwangsgedanke nach zu geben. Ein minimaler Schritt Richtung Zwang, tritt bei mir immer eine Lawine los. Daher versuche ich mir zu sagen: Du könntest was prüfen, dann kurz erleichtert sein, aber der Preis wird dafür hoch sein, weil dein Zwang niemals von sich aus Ruhe geben wird, NIEMALS. Das muss ich akzeptieren. Was ich bei mir auch bemerkt habe: bei mir als Person, ist es gar nicht vorgesehen, das ist auch mal Fehler machen darf, wie ist das bei euch?
Jessi hat geschrieben: Fr 17. Dez 2021, 15:20 Ich bin zum Glück auch vollkommen bei der Arbeit involviert, sodass ich weiter funktionieren muss und mich gut ablenken kann.
Das ist auch bei mir so und ich dachte gerade: wenn ich viel zu tun bzw. Stress habe, funktioniere ich wie ein Uhrwerk, ihr auch? Ich bin stress resistent, zuverlässig und erledige fast alles fehlerfrei, perfekt und pünktlich. Die absurden Zweifel bzw. Zwangsgedanken kommen irgendwann später dann.
Aber mit was ich gar nicht klar komme: Leerlauf! Nichts tun! Bei sich selbst sein! Entspannen! Was gutes für sich tun. Das geht bei mir nicht wirklich, weil ich immer davon ausgehe das was schlimmes passieren wird. Es ist genauso absurd das ich in meiner Therapie auf die Frage „was verstehen Sie unter erwachsen sein“, ich völlig irritiert und überfordert damit war. Ich wusste darauf eigentlich keine Antwort. Es ist, als fehlten mir ein paar wichtige Kapitel in der Betriebsanleitung für das alles hier um mich herum ;)
Jessi hat geschrieben: Fr 17. Dez 2021, 15:20 Ich bin auf jeden Fall schon deutlich stärker als vor einem Jahr und das zeugt doch von progress, der aufmuntern sollte
Darauf kannst du auch echt stolz sein :D
Geht mir auch aus so. Das ist extrem wichtig denke ich, sich immer vor Augen zu halten das man auch positive Fortschritte macht.
Yoli hat geschrieben: Fr 17. Dez 2021, 16:36 Ja, ich habe einfach extreme Probleme mich zu konzentrieren, weil ich dann bombardiert werde mit dem Gedanken „Was ist, wenn du jetzt, jetzt oder jetzt feststellst, dass es kein Zwangsgedanke ist?“ - das macht gerade längere Konzentrationsphasen echt schwierig.
Ja, das ist so leider mein Standart Zustand eigentlich auch. In so einer gefühlt geschlossenen Schleife aus Angst und Zwangsgedanken zu hängen ist ätzend. Ich werde dann auch immer unsicherer mit der Zeit. Oftmals schaue ich dann doch was nach, gebe dem Zwang nach und dann rollte die vorab erwähnte Lawine über mich drüber. Auch aushalten ist ja schwer, aber scheinbar das, was hilft.

Und ich mach auch gerne Ausdauersport. Das hilft mir das mein Körper immerhin ruhiger ist und ich auch viel Stress so abbauen kann. Im Moment habe ich etwas am Knie. Ich kann kein Sport machen, das ist gerade wirklich doof für mich. Über SSRI´s denke auch zur Zeit wieder nach. Im Moment geht es bei mir aber wieder. Ich habe das für mich so definiert: Wenn mein Zustand länger als zwei Wochen nicht besser wird, dann mach ich wieder einen Termin bei einem Arzt wegen den Talbetten. Im Moment sind meine schlechten Phasen eins bis drei Tage im Schnitt lang. Das ist ätzend, aber geht bei mir noch, weil ich überwiegend alles gut hin bekomme.

Ich probiere mich und mein Gehirn daran zu gewöhnen, dass unbekannte Dinge auch gut sein können. Auch das es nicht mein Job ist alles zu kontrollieren und überprüfen zu müssen. Daher versuche ich es mit simplen Dingen in meinem Alltag wie gestern: ich installiere ein Taxi App, wo ich mit Paypal z.B. automatisch bezahle. Klingt simpel, für mich aber anstrengend weil: ich muss der App, dem Fahrer, dem Finanzdienstleister usw. vertrauen. Ich kann nichts kontrollieren. Ich mach das dann, schwitze, zittere, habe Angst, aber ich tue es. Ich fahre von A nach B. Später von B nach A zurück. Ich merke: alles ist Ok. Es ist nichts schlimmes passiert. So versuche ich mit immer mehr kleinen Sachen, aus negativen dann positive Gefühle zu machen. Manchmal wird es auch so schlimm das ich es lassen muss. Aber vor einem Jahr, würde ich schon längst vor den AGB´s der Apps sitzen und irgendwas überprüfen. Das mach ich mittlerweile nicht mehr so intensiv :)

Euch alles Gute.

Beste Grüße,
Fabian
Jessi
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Re: Emotionale Beweisführung abstellen

Beitrag von Jessi »

Hey :)

Ja, genauso geht es mir auch. Ich bekomme auch sehr viel Energie und Selbstvertrauen durch den Austausch mit euch.

Mir geht es 100% genauso wie dir. Ich liebe es völlig durchgetaktet arbeiten zu können, am besten noch mit einem festen, vorgeschriebenen Ziel und Zeitplan. Sobald eine Phase einsetzt, in der ich Langeweile bekomme, beginnt mein Gehirn sich selbstständig zu machen. Ich werde unsicher und nervös und ziehe mich dadurch sehr schnell wieder zurück in die Spirale hinein.
Aktuell ist es bei mir so, dass ich die Situation viel besser verarbeite als ich dachte, allerdings fliegt bei mir immer mal wieder ein Gedanke durch den Kopf wie: das war keine Angst, das war Zustimmung oder dass ich verwundert bin, dass ich heute schon Momente hatte, in denen ich nicht mehr daran gedacht habe und erleichtert bin und mich dann frage wie es sein kann, dass ich nicht völlig aufgelöst bin. Diese fehlende Angst triggert dann wieder, was natürlich völlig absurd ist. Dann schleicht sich auch schonmal wieder das gedankliche und emotionale prüfen ein, was mich dann doch wieder runterzieht. Ich versuche es jetzt zu vergessen und solange zu ignorieren bis es keine Lust mehr hat mich zu bombardieren.

Ich finde es super wie du deine Fortschritte auch so darlegen kannst, wie reflektiert du immer alles betrachten kannst. Ich merke momentan, dass es mir nicht ernsthaft um den Inhalt meiner Gedanken geht sondern mein Gehirn einfach irgendeinen Weg sucht das unangenehme Gefühl der Angst loszuwerden. Rational betrachtet sind mir die Gedanken nämlich eigentlich egal, solange keine Angst und Panik ausgelöst wird. Allerdings folgt dann, so wie momentan, die Unsicherheit wieso diesmal keine katastrophale Panikattacke ausgelöst wurde und ob das bedeutet, dass doch etwas daran ist. Was ich auch als Zwang erkenne und dagegen anhalte, aber mir bewusst bin, dass es lediglich die Unsicherheit ist und nicht der Inhalt relevant ist.

@Fabian
Deine Strategie bezüglich der 2 Wochen finde ich super. Somit fällt man nicht so schnell wieder auf die Befürchtung hinein, dass man sofort etwas dagegen unternehmen muss und es niemals aufhören würde. Das Katastrophendenken ist vermutlich eingeschränkt, oder? Bei mir sind die schlechten Phasen mittlerweile ähnlich lang, es ist mühsam aber wenn wir uns mehr vor Augen halten würden wie der Vergleich zu letztem Jahr abschneidet, müssten wir eher stolz und mutig sein.

LG Jessi
fabian123

Re: Emotionale Beweisführung abstellen

Beitrag von fabian123 »

Hi,
ich weiß gerade gar nicht so recht wie ich das in Worte fassen soll, aber ich versuche es: Die letzten Tage ging es mir eigentlich ganz ok. Die üblichen kurzen Phasen waren halt immer mal wieder da, wo mich Zwangsgedanke in Angst und Panik versetzt haben. Durch Weihnachten meldeten sich einige Familienmitglieder bei mir. Das war sicher nett gemeint, aber es versetzte mich automatisch in einen Alarmmodus, das merkte ich. Ich spürte wie automatisch in mir die Zwangsgedanken immer präsenter und intensiver wurden. Als würde sie mich vor den Gefühlen schützen wollen, die vor allem meine Familienmitglieder in mir auslösen.
Dann hatte ich einen mehrwürdigen Moment, der echt schwer in Worte zu fassen ist: Ich saß an meinem Rechner und arbeitete. Mir macht echt überwiegend spaß was ich tue. In einem Moment merkte ich wie ich in eine Zwangsgedanken Schleife kam. Auf einmal habe ich Wort wörtlich gedacht: „Die Welt mit den Ängsten in dir, hat nichts mit der Welt um dich herum zu tun“. Ich erinnere mich seit diesem Moment, immer wieder an kurze schöne Momente aus meine letzten fast 40 Lebensjahren. Ich habe festgestellt, das nicht alles schlimm war oder in einer Apokalypse enden wird, auch wenn 98% meines Lebens seit her gefühlt in mir die Hölle für mich waren und sind: Angststörung, Panikattacken, Zwangsgedanken und schwere Depressionen, dass fast immer, aber "fast" nicht "immer".
Weil zwischen drin gab es immer mal wieder auch etwas schönes. Ich sehe auf einmal ab und an wer ich eigentlich bin, neben den Ängsten, Sorgen und Depressionen und fange furchtbar an zu weinen. Wie jetzt gerade, weil wenn ich hinter alle die Ängste schaue, sehe ich einen tollen und lieben Menschen der einfach gesagt unfassbares Pech hatte. Er hatte Pech mit seinen Eltern, seiner Familie, Umgebung und vielen anderen schlimmen Dinge mit denen er seit seiner Kindheit konfrontiert wurde. Meine Schutz war meine Fantasie. Meine Fantasie hat mich damals gerettet und lies mich alles irgendwie aushalten.
Wenn ich in dritter Person von mir wieder sprechen würde, würde ich sagen: Ob als Junge, Jugendlicher, junger Erwachsener oder Mann konnte er nie zeigen und fühlen was er erleben musste und was sich alles in ihm angesammelt hatte. Jetzt wo die aktuelle Therapie fast am Ende ist fange ich an langsam meine Gefühle zu zulassen, dass überwältigt mich total. Ich bin nur noch am weinen aktuell. Aber nicht weil ich Angst habe, es ist erleichternd. Da ist soviel Leid, Schmerz und Angst die mir vermutlich nie ein Menschen in dieser Welt abnehmen kann, außer ich selbst, der langsam akzeptieren kann, dass alles was ich erleben musste und mich bis heute zutiefst traumatisiert hat, niemals meine Schuld war. Und nun sehe ich immer mehr dabei: Die Welt in mir bzw. den Zwangsgedanken hat nichts mit der wirklichen Welt um mich herum zu tun.

Sorry Leute, ich bin gerade echt total emotional :) Aber ich wollte das mitteilen.
Ich wünsche euch allen ruhige und erholsame Feiertage und alles Gute.

Fabian
Jessi
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Re: Emotionale Beweisführung abstellen

Beitrag von Jessi »

Hey!
Ich finde deinen Beitrag ziemlich aufbauend und sehr reflektiert. Es freut mich, dass du lernst die Gefühle zulassen zu können ohne dich dadurch belastet zu fühlen.
Ich kann sehr gut nachempfinden wie es dir geht, bezogen darauf, dass die Gedanken automatisch einsetzen sobald man Kontakt zur Familie hat. Irgendwie habe ich mittlerweile den Eindruck, dass es auch ein wenig eine Vermeidungshaltung ist, andererseits denke ich mir wozu soll ich mich solchen Situationen aussetzen wenn es mir nicht gut tut?
Ich finde es momentan sehr schwer darauf eine gute Antwort zu finden.
Ich denke, der Satz, der dir in den Sinn kam, spiegelt eine kleine Erkenntnis wider. Du erarbeitest dir Stück für Stück einen Weg aus dem Zwang und das ist bestimmt ein weiterer Schritt gewesen.

Ich wünsche ebenfalls frohe Weihnachten und schöne Feiertage.

LG Jessi
downtherabbithole
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Re: Emotionale Beweisführung abstellen

Beitrag von downtherabbithole »

Hallo,

also ich kenne das mit der Familie. Meine Zwänge beziehen sich ja ganz stark auf meine Familie und was mit ihnen zu tun hat. Bei mir denke ich hat es was mit Abrenzung zu tun. Also der Zwang hat mir irgendwie geholfen mich abzugrenzen, weil ich es anders nicht konnte. Bei mir ist ja alles was meine Familie berührt irgendwie dreckig für mich, sie selber auch. Manchmal sind es aber auch andere Menschen. Ich habe oft festgestellt, dass meine Zwänge dann schlimmer werden wenn ich mit zwischenmenschlichen Situationen nicht besonders gut klar komme. Auch in Beziehungen habe ich den Eindruck, läuft alles prima machen sich auf einmal die Zwänge breit. Ich kann da bei mir verschiedenes beobachten.
Bei meiner Familie führt es dazu, dass ich sie nicht so oft besuchen kann. Sie wissen das auch. Aber die Frage ist vielleicht WILL ich sie überhaupt so oft besuchen? Der Zwang nimmt mir die Entscheidung ab, ebenso auch etwas das schlechte Gewissen.
Bei Freunden die mich verletzt haben, habe ich es auch schon erlebt, dass sie dann dreckig für mich waren. Vielleicht meine Art damit umzugehen und die Beziehung zu ihnen zu knicken, sie nicht mehr zu treffen sondern nur noch zu schreiben? Weil ich weder damit umgehen kann den Kontakt ganz abzubrechen noch damit ihn wieder ganz zuzulassen?
Und in Beziehung vielleicht, weil der Zwang der beste Grund ist um die Beziehung zum scheitern zu bringen. Nicht weil ich es will, aber wenn es daran liegt, liegt es wenigstens nicht an mir. So lange der Zwang da ist, steht außerdem irgendwie was im Weg, ich lasse also niemand so nah an mich ran, ohne Zwang. Würde dann die Beziehung enden gäbe es ja keinen triftigen Grund sondern ich müsste so damit zurecht kommen, wenn ihr versteht was ich meine...
Naja nur so ein paar Gedanken, die ich zwischendurch mal habe.

Ich wollte auch schon länger mal wieder schreiben, aber ich komme gar nicht mehr mit :lol: Zu dem Thema Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologische Therapie. Ich bin da auch hin und hergerissen. Ich habe ja vorher Schematherapie gemacht, das ist aber wohl auch eine Form von Verhaltenstherapie. Da arbeitet man auf, was man sich so für Mechanismen als Kind antrainiert hat und versucht dann eben ein neues, anderes Verhalten anzunehmen. Man arbeitet also viel mit dem "inneren Kind".

@Fabian Was genau macht man denn aber mit einer Zwangsstörung in der tiefenpsychologischen Therapie? Wird das dann auch konkret angegangen oder arbeitet man eher dann an den familiären Themen und die Zwangsstörung eher nebenher?

Was ich so gelesen habe, gibt es ja verschiedene Komponenten die vermutlich zu einer Zwangsstörung beitragen. Dazu gehören
- bestimmte Charakterzüge/Persönlichkeitsmerkmale
- Lebensereignisse (dazu gehören auch die im klassischen Sinne als Trauma kategorisierten Sachen aber eben nicht nur, es kann auch ein Umzug sein, oder ständige Streitereien in der Familie, Scheidung etc.)
- gewisse Sachen die in der Erziehung schiefgelaufen sind (wenig Lob viel Kritik, überordentliche Eltern oÄ.) durch die Eltern oder andere nahestehende Personen wie Lehrer
- erbliche Komponente, wobei es kein Zwangs Gen gibt und man meiner Meinung nach zu wenig darüber weiß
- familiäre Häufung, die nicht unbedingt durch Vererbung geschehen muss sondern eben durch angelerntes Verhalten/Erziehung
- veränderte Hirnaktivität, wobei man hier nicht weiß ob das durch die Zwangsstörung geschieht oder Ursache für die Zwangsstörung ist. Klar ist aber dass sie die Veränderungen wieder zurückbilden können.

Bei mir selber trifft einiges zu:
- Charaktereigenschaften wie Anhänglichkeit, Sensibilität, Gewissenhaftigkeit
- Unfall als Kleinkind bei dem ich eine Gehirnerschütterung hatte, Mobbing in der Schule, beste Freundin ist von einem Tag auf den anderen umgezogen, im Nachbarort wurde ein Mädchen ermordet und in den Fluss geworfen, natürlich hatten unsere Mütter eine Heidenangst um uns und wir durften nicht mehr alleine zum Schulbus gehen usw
- ständige Streitereien und fast Trennungen meiner Eltern, wenig Lob, viel Kritik, meine Mutter ist überordentlich und immer sehr streng mit Sauberkeit, sie ist außerdem extrem ängstlich und hat mir bei allem was ich getan habe gleich noch eine Warnung mitgeschickt (mach dies und das nicht, sonst passiert dies und das), meine Eltern haben sehr hohe moralische Vorstellungen außerdem kritisieren sie jeden und erwarten eigentlich immer das Schlechteste von Menschen, noch dazu wissen sie immer am besten was "wahr" ist, weil sie ja die Eltern sind, des weiteren haben sie einen Hang dazu alles zu interpretieren und zwar so wie es in ihre negative Vorstellung passt. Da werden eigentlich "magische" Zusammenhänge gezogen. ZB. mein Vater hat als ich 19 war in meiner Schublade eine Zigarettenpackung gefunden, meine Schublade stand offen. Mein Vater verirrte sich normalerweise nie in meinem Zimmer. Sein Fazit: Du hast das unbewusst da liegen lassen weil du mich unbewusst darauf aufmerksam machen wolltest. Mein jetziges Fazit wäre einfach: verdammter Zufall, kommt vor und hatte nichts zu bedeuten.
- familiäre Häufung kommt bei mir vor und zudem gibt es noch ein paar andere psychische Erkrankungen in der Familie (wobei ich mich ja frage ob das nicht einfach an der Erziehung und den Erlebnissen liegt, weil da wurde nichts besonders gut aufgearbeitet), dswg vermutlich auch eine genetische Disposition
- Ich bin hypersensibel was Geräusche, Gerüche und Berührungen angeht, ich frage mich ob das evtl etwas mit den veränderten Hirnregionen zu tun hat. Habe letztens was über Überschneidungen bei ADS (ADHS) und Zwangsstörungen gelesen und es trifft ziemlich auf mich zu.
- noch dazu kommt dass ich als Kind Streptokoppenentzündungen hatte, es gibt wohl Verbindungen von plötzlichen Zwangsstörungen mit Streptokoppenentzündungen (PANDAS), so dass ich mich natürlich frage ob das was miteinander zu tun haben könnte

Nachdem ich das alles in Therapien herausgearbeitet habe, glaube ich dass tatsächlich viele Verkettungen und Ereignisse zusammen zu meiner Zwangsstörung geführt haben.
Ich mache ja aber jetzt gerade Verhaltenstherapie weil ich eigentlich keine Lust mehr hatte so viel zu quatschen sondern mehr ins machen kommen wollte. Gefühlt weiß ich worans liegt jetzt muss ich es mir abtrainieren.
Ich denke auch, dass wenn man mich als Kind gleich zu einer Verhaltenstherapie geschickt hätte, wäre das die beste Lösung gewesen, da wäre es noch egal gewesen, warum ich Zwänge habe.
Aber nach so vielen Jahren, in denen ich immer nach den Gründen gesucht habe, was mit mir schiefgelaufen ist, ist es denke ich kaum möglich ohne etwas tiefer zu gehen. Ich habe ja letzendlich weitere Zwänge daraufhin entwickelt, weil ich Angst bekommen habe, als Kind ein Traumata erlebt zu haben, weil ich eine Zwangsstörung habe. Kann also auch fatal sein, wenn man die Gründe in der Vergangenheit sucht (und dabei nicht therapeutisch begleitet wird). Warum ich genau die Zwänge habe, die ich habe, habe ich durch die vielen verschiedenen Therapien allerdings denke ich schon herausgefunden was mir eben jetzt nach so langer Zeit hilft, besser damit umgehen zu können.

Wenn ich mir meinen Text jetzt selber noch mal so durchlese kann ich mir auch durchaus vorstellen, dass mein Zwang viele verschiedene Funktionen hat. Emotionsabwehr bzw Verarbeitung, Abgrenzung und Schutz vor Verletzung und vermutlich noch einige mehr.
fabian123

Re: Emotionale Beweisführung abstellen

Beitrag von fabian123 »

Hallo zusammen,
eure Antworten und Beiträge gehen mir immer sehr nah. Ich bin echt froh das wir uns hier austauschen. Ich fühle mich dann oft nicht mehr ganz so lost.
downtherabbithole hat geschrieben: Do 23. Dez 2021, 22:09 @Fabian Was genau macht man denn aber mit einer Zwangsstörung in der tiefenpsychologischen Therapie? Wird das dann auch konkret angegangen oder arbeitet man eher dann an den familiären Themen und die Zwangsstörung eher nebenher?
Das kann ich dir leider nicht wirklich beantworten =) Ich kann dir nur sagen wie ich es für mich wahrnehme, und wenn ich ehrlich bin, ich weiß es auch nicht wirklich, wie und warum, was alles passiert. Aber ich habe durch die vielen Stunden und Gespräche gemerkt, wie tief die Angst in mir eigentlich ist. Auch das ich nicht versuchte die Therapiestunden für mich in eine Art Struktur zu definieren und das ich meinem Gegenüber vertrauen konnte, war für mich eine ganz wichtige Erkenntnis und Errungenschaft. Ich hatte auch den Raum für mich gehabt, um mit Hilfe meiner Sprache überhaupt sehen zu können, was mit mir seit Jahrzehnten los ist. Innerhalb der Therapie hatte ich die Möglichkeit meiner Vergangenheit, soweit möglich, in Einzelteilen aufzuarbeiten. Ich habe dadurch eher für mich verstehen können, woher diese große Angst in mir kommt. Ich überlege zur Zeit ob eine VT möglicherweise für mich jetzt in Frage kommt. Weil ich jetzt erst für mich sehen und besser eingrenzen kann, an was ich möglicherweise konkret arbeiten möchte. Zuvor war das bei mir ein total unüberschaubares Chaos an Gefühlen, Ängsten, Zwangsgedanken und Depressionen. Kurz zusammengefasst: mir persönlich hat die Tiefenpsychologische Therapie dabei geholfen, mir etwas Übersicht zu verschaffen. Aber vor allem Verständnis für mich selbst haben zu dürfen.

Ich muss aber auch sagen, dass ich ziemlich müde davon bin, in meiner Vergangenheit zu suchen, zu analysieren und zu verstehen. Aber ich würde sagen das dies innerhalb der Therapie von mir ausging, weil etwas in mir das große Bedürfnis hatte, sich damit endlich auseinander setzen zu können. An diesem Punkte fand ich die Aufzählung von dir interessant. Ich habe mich in vielen deiner Antworten auch wieder gefunden. Hier meine Antworten zu den Punkten:
downtherabbithole hat geschrieben: Do 23. Dez 2021, 22:09 - bestimmte Charakterzüge/Persönlichkeitsmerkmale
Ich war auch schon immer sehr sensibel und gewissenhaft.
downtherabbithole hat geschrieben: Do 23. Dez 2021, 22:09 - Lebensereignisse (dazu gehören auch die im klassischen Sinne als Trauma kategorisierten Sachen aber eben nicht nur, es kann auch ein Umzug sein, oder ständige Streitereien in der Familie, Scheidung etc.)
- Als Kind bin ich isoliert ohne Kindergarten etc. primär in einer Wohnung nur mit meinen Eltern groß geworden.
- Die Zwischenmenschlichen und Finanziellen Probleme meiner Eltern dominierten das Tagesgeschehen.
- Ich kann mich an nicht einen Spielplatz besuch mit meiner Mutter z.B. erinnern.
- Meine Eltern sahen immer Schuld bei allen „Anderen“ , nie bei sich selbst.
- Die Welt war laut Ihnen ein Schlimmer Ort.
- Die Scheidung meiner Eltern war ganz schlimm für mich (ich war 5 Jahre alt). Ich wurde nach der Scheidung meiner Eltern auch sehr Dick. Daraus resultierte in der Schule viel Mobbing.
- In meinen ersten Freundeskreisen war ich immer derjenige, über den sich alle lustig machten oder ihren eigenen Frust ausließen. Ich ertrug das, weil ich einfach nicht alleine sein wollte.
- Außerdem musste ich als Heranwachsender junger Mann eine Situation miterleben, in der mir eine nahstehende Person fast in meinem Arm gestorben ist. Zum Glück kam rechtzeitig Hilfe und alles ist gut ausgegangen. Aber ich denke ich habe dieses Trauma bis heute nicht verarbeiten können.
downtherabbithole hat geschrieben: Do 23. Dez 2021, 22:09 - gewisse Sachen die in der Erziehung schiefgelaufen sind (wenig Lob viel Kritik, überordentliche Eltern oÄ.) durch die Eltern oder andere nahestehende Personen wie Lehrer
- Ich hatte extrem unordentliche und unstrukturierte Eltern. Ein Elternteil vernachlässige extrem die Hygiene in der Wohnung. Der andere Teil ist Messi.
downtherabbithole hat geschrieben: Do 23. Dez 2021, 22:09 - erbliche Komponente, wobei es kein Zwangs Gen gibt und man meiner Meinung nach zu wenig darüber weiß
- Ich habe mich sehr viel mit EPI Genetik bzw. Vererbungen von Traumata beschäftigt. Das ist ein großes Feld, aber sehr spannend. Ich weiß, weil ich selbst recherchierte das es sehr viel Leid in meiner Familie gibt, historisch betrachtet. Aber niemand spricht seit Generationen darüber. Aber das ist ein sehr komplexes Thema.
downtherabbithole hat geschrieben: Do 23. Dez 2021, 22:09 - veränderte Hirnaktivität, wobei man hier nicht weiß ob das durch die Zwangsstörung geschieht oder Ursache für die Zwangsstörung ist. Klar ist aber dass sie die Veränderungen wieder zurückbilden können.
- Da kann ich leider nichts dazu sagen.

In den letzten Tagen hatte ich einige sehr emotionale Momente. Aber überwiegend gute Erkenntnisse. Ich Träume auch total wild und sehr komische Dinge zur Zeit. Aber ich bin heute morgen aufgewacht und habe mich gefragt: Was ist, wenn ich vor meinen Zwangsgedanken keine Angst mehr habe? Das klingt so simpel, aber was ist dann eigentlich?

Euch alles Gute.

Liebe Grüße,
Fabian
Jessi
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Registriert: Fr 22. Mai 2020, 19:55

Re: Emotionale Beweisführung abstellen

Beitrag von Jessi »

Hey :)
Das kann ich auch immer wieder nur zurückgeben. Es hilft mir unfassbar, dass wir uns hier so respektvoll miteinander austauschen können und man hier immer verstanden und aufgebaut wird.

Ich würde auch gerne wieder etwas loswerden.
Zu dem Thema der familiären Häufung und Anerziehung kann ich nur betonen wie häufig ich mich in den Beiträgen anderer wiederfinde. Es ist erstaunlich wie viele Ähnlichkeiten häufig zu finden sind.
Meine Eltern haben zwar des öfteren mit mir Kinderfeste besucht oder auch andere Dinge unternommen, ich habe auch keine schlechten Erinnerungen an diese Zeit meiner Kindheit, doch wenn ich mich an die Zeit zu Hause erinnere, dann erkenne ich das ungesunde Gefüge. Ich habe praktisch in 2 Welten gelebt. Einerseits habe ich meine Eltern auf ein Podest gehoben und andererseits waren sie mein größtes Problem zu Hause. Es gab ständig Streit und als ich älter und größer wurde, habe ich mich dagegen aufgelehnt. Das führte zu großen Ängsten meinerseits, zb dass ich Angst bekam verprügelt zu werden. Das ist in der Form zum Glück nie eingetreten, doch ich hatte sehr große Angst davor dass mir etwas angetan werden könnte. Diese Angst bezog sich auf die körperliche wie auch seelische Unversehrtheit.

Nun schreibe ich aber aufgrund eines aktuellen Beispiels: Weihnachten. Ich habe unfassbare Panik bekommen als ich zu meiner Familie gefahren bin und wollte nur noch nach Hause und weinen. Ich war innerlich so panisch und unruhig, dass ich den Schein kaum aufrecht erhalten konnte. Ich wollte keinesfalls etwas davon preisgeben. Ich bin in der Situation geblieben und habe irgendwann realisiert, dass die Angst weg ist. Das nehme ich nun einfach mal als eine positive Expo an. Allerdings merke ich momentan, dass jeglicher Kontakt zu meiner Familie, vor allem zu meinen Eltern in mir eine riesen Panik auslöst. Ich bin gerade vom Sport nach Hause gekommen und war eigentlich relativ gut gestimmt, da ich vorher noch einige Zeit mit meinem Freund verbracht habe. Plötzlich wurde mir schlecht, die Gedanken drehen sich und ich habe einen enormen Drang zu Grübeln, mich hineinzusteigern und zu weinen. Ich habe daher jetzt wieder die volle Panik in mir, dass an den Gedanken doch die Wahrheit steckt und ich sie niemals loswerden kann und darauf hören müsse. Es wäre etwas, was ich einfach nicht wahrhaben möchte.. dem ist nicht so und ich weiß, dass es nur die Krankheit ist, doch ich weiß nicht mehr wie ich damit umgehen kann. Ich fühle mich einerseits viel gefestigter und sicherer im Umgang mit den Gedanken und Ängsten doch momentan werde ich wieder häufiger von diesem Ohnmachtsgefühl umgeworfen und verfalle in kleine Panikattacken. Das verunsichert mich und macht mir zusätzlich Angst.
Die Angst wird enorm durch meine Eltern ausgelöst, ich versuche mich momentan stark abzugrenzen, doch ich weiß, dass sie sich wieder mehr Kontakt wünschen würden. Ich wünschte nur ich könnte den Kontakt zulassen ohne mich so schrecklich fühlen zu müssen, in einem gesunden Maß.
Ich hoffe ihr hattet entspannte Feiertage und startet gut in die neue Woche.
Ich musste das mal loswerden, ich denke und hoffe, dass jemand ein gutes Wort übrig hat, das mich wieder aufbauen kann.


LG Jessi
svenja
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Registriert: Di 24. Mär 2026, 17:00

Re: Emotionale Beweisführung abstellen

Beitrag von svenja »

Hallo zusammen,
ich weiß, dass der letzte Eintrag hierzu schon ein paar Jahre zurück liegt, aber ich bin neu hier und lese mich hier „ein“. Ich kann euch auf jeden Fall sagen, hätte ich während Corona gewusst, dass es dieses Forum gibt hätte mich das neben meiner Therapie wirklich auffangen können. Ich habe vor ca. 8 Jahren meine Diagnose Angst-und Zwangsstörung bekommen und rückblickend betrachtet, weiß ich inzwischen, dass mich diese bereits seit meiner Kindheit begleiten. Mein Auslöser war damals, dass ich von dem einem auf den anderen Tag, die Gefühle zu meinem Mann angezweifelt habe. Was völlig absurd war, weil ich tatsächlich noch nie einen Mann so geliebt habe wie ihn. Jedenfalls habe ich Angst und Panik bekommen und so nahm mein persönlicher Horror seinen Lauf. Ich hatte Glück, dass ich damals schnell einen Termin bei meiner Therapeutin bekommen habe. Wir haben dann über Jahre vieles aufgearbeitet, woher meine Ängste kommen und diese liegen ähnlich wie bei euch zum großen Teil in meiner Kindheit begründet. Und ich weiß inzwischen auch, dass meine Oma ihr Leben lang mit Ängsten und auch extremen Grübelschleifen zum kämpfen hatte. was Zwänge angeht, ist mein Hauptthema Zwangsgedanken und es ist mal mehr , mal weniger ausgeprägt. Nach den ersten Jahren kam ich besser zurecht, dann hat Corona mich völlig aus der Bahn geworfen. Mit Angst- und Zwangsstörung mit unter anderem Hauptthema Verlustängsten und selbst nicht gut genug zu sein,eine wahre „Freude“…damals habe ich auch zum ersten Mal Medikamente genommen, weil ich ständig Panikattacken und Schlafprobleme hatte. Mir hat damals auch unter anderen Gruppentherapie geholfen, weil ich dann den Austausch mit anderen hatte, wenn auch die Themen unterschiedlich waren. Danach ging es mir ein paar Jahre wirklich viel besser. die Ängste und meine Gedanken waren natürlich nicht komplett weg, aber ich konnte damit viel besser umgehen bzw sie ziehen lassen. Jetzt ist es aktuell leider so, dass es mir wieder schlechter geht. Der Auslöser war der Tod eines Elternteils und ich hänge wieder total in meinen Zwangsgedanken und deren falsch eingeflüsterten Wahrheiten, sowie einer Depression fest. Wenn man es nicht selbst kennt, kann man sich nicht vorstellen wie schrecklich es ist. Wie oft zweifle ich an, dass es ein Zwang ist, ich nutze das nur als Ausrede, wenn ich keine Angst und Panik bekomme deute ich es als Wahrheitsgehalt der Gedanken….ich kenne die Mechanismen meines Zwangs ja eigentlich, aber wenn man wieder zu tief drin steckt, ist es sehr schwer. Ich versuche es aktuell mit der Gedanken/Angst aushalten, nicht diskutieren und ziehen lassen Methode. Das ist sehr anstrengend und manchmal sehr schlimm, weil ich am liebsten nur laut „nein“ schreien möchte, aber für mich hat zb die „Stop“ Methode leider nie so wirklich funktioniert. Derzeit nehme ich Antidepressiva, die auch angstlösend sind, was einerseits gut ist, damit ich nicht ständig hyperventiliere, auf der anderen Seite auch gefundenes Fressen für meinen Zwang sind, denn wenn du keine Angst hast, stimmen deine Gedanken. Gestern Nachmittag ging es mir zeitweise besser und ich habe mich „freier“ gefühlt, abends fing der Zwang wieder an zu flüstern, aber das konnte ich noch ganz gut händeln. Heute Morgen ging das Karussell wieder los, war aber ganz ok zum aushalten, dann kam von einem auf den anderen Moment ein Gedanke bezogen auf unsere Beziehung und da hatte der Zwang mich wieder. Es war für mich so schrecklich den Gedanken zu haben und dann war natürlich klar, dass ich den dann doch nicht so einfach ziehen lassen konnte. Und es folgt Herzrasen, immenser Druck auf der Brust..Ich habe mich dann versucht abzulenken, aber die Panik und die Angst (da war sie dann doch trotz Tabletten) hat meinen Körper so im Griff gehabt…das dauerte dann 1,2 Stunden und jetzt noch wirkt es nach. Das schlimme ist, rational weiß ich das alles gut ist zwischen uns und das wir uns sehr lieben, aber die Angst ist trotzdem da „meine Liebe ist nicht gut genug“, „es kann ja nicht alles gut sein“ und prüfst deine Reaktionen und so weiter….
Ich habe jetzt sehr viel geschrieben und euch damit zugespammt…sofern das nach so langer Zeit überhaupt noch einer von euch lesen wird…
Über einen Austausch mit euch würde ich mich freuen

Liebe Grüße Svenja
Jessi
Beiträge: 335
Registriert: Fr 22. Mai 2020, 19:55

Re: Emotionale Beweisführung abstellen

Beitrag von Jessi »

Hey Svenja,

Ich bin auch nach den ganzen Jahren immernoch hier im forum und schaue mal mehr und mal weniger regelmäßig vorbei. Es hilft mir aber immernoch sehr bei meinen Zwängen, der Austausch ist für mich super wichtig um zu erkennen, dass ich nicht alleine damit bin und wieder ein Bewusstsein dafür zu bekommen wann der Zwang gerade spricht.
Es tut mir super leid zu lesen, dass du auch solche Zwangsgedanken hast. Deine Beschreibung passt ziemlich genau auch zu meinem Thema. Mittlerweile komme ich zum Glück gut damit zurecht, aber ich habe auch weiterhin gute und schlechte Phasen. Die letzte schlimme Phase war vor ca 1,5 Jahren und ich würde sagen, dass sie auch ca ein halbes Jahr angehalten hat und dann irgendwann abgeflacht ist.
Ich merke immer, dass man rückblickend klarer darauf schauen kann was sich schon alles wieder verbessert hat und was man geschafft hat.
Mir hilft in den Momenten die Stopp Methode und auch das laute "Stopp" und sich bewusst etwas anderem zuwenden, sowie irgendeine Art von Sport, vor allem Ausdauersport zum Auspowern. Was ich auch letztes Mal sehr oft genutzt habe war das bildliche Vorstellen wie der Zwang sich von mir entfernt.
Man kann sich zb einen Fluss oder Ähnliches vorstellen, darin schwimmen verschiedene Blätter (deine Gedanken) und wir dürfen uns entscheiden welches Blatt wir uns bewusst anschauen wollen oder mit welchem wir nicht interagieren wollen. Ich habe mir ein Blatt vorgestellt, auf welches ich den Zwangsgedanken gesetzt habe, wie ein vorbeischwimmendes Papierschiffchen und habe es beobachtet, wie es langsam vorbeischwimmt und irgendwann am Horizont verschwindet.
Die Methode klingt für mich ohne akute Zwangsgedanken sehr abstrakt aber in den Momenten hat sie mir geholfen mich zu beruhigen und etwas aktiv dagegen tun zu können. Vielleicht hilft es dir ja auch.
Wichtig ist bei mir gewesen Geduld zu haben und nicht wieder ins Checken überzugehen, denn das bringt einen zurück in die Grübelschleife. Das ist auch heute noch ein Problem von mir wenn ich getriggert werde.

Ich bin mir sicher du schaffst das, alles was du bereits gelernt und verinnerlicht hast ist ja nicht weg. Jeder Rückschlag ist auch ein Schritt nach vorne, gehört leider dazu und man kommt gestärkt daraus hervor.

LG Jessi
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