Arbeiten und Zwangserkrankung

Froschkönigin
Beiträge: 31
Registriert: So 11. Jan 2026, 20:28

Re: Arbeiten und Zwangserkrankung

Beitrag von Froschkönigin »

Hallo,

nein, so eine Möglichkeit gibt es bei uns nicht, nur 3 Tage mit mehr Stunden zu arbeiten. Und es wäre mir auch zu viel an den 3 Tagen dann 10 Stunden machen zu müssen.

Im Moment bin ich krank geschrieben wegen eines Infekts, der mich total fertig macht. Ggf. kann ich auch noch um 1 Woche verlängern. Denn wie du schreibst: ich hätte gerne Zeit für mich, für meine "Heilung" (sofern sowas bei Trauma überhaupt komplett möglich ist - nennen wir es lieber "Besserung"). Alles auf einmal zu schaffen ist wohl zu ehrgeizig gedacht...

Aktuell hab ich viel über die Trauma-Reaktionen gelesen, z.B. dass das Gehirn in seiner Exekutiv-Funktion zurückfährt, was Entscheidungen erschwert. Das fand ich sehr spannend. Und ich beschäftige mich mit dem Thema trauma-sensible Körperarbeit, weil Trauma sich wohl im Körper festsetzt und da kommt man rein über den Verstand oder über Gespräche nicht ran. Da ich sehr viele Muskelverspannungen etc. habe hat mich das sofort angesprochen.

Was du schreibst mit "Gefühle wegschieben" kann ich auch gut nachvollziehen. Da beschäftigt mich derzeit das Thema, ob ich mit einer sauberen, aufgeräumten Wohnung überhaupt zurecht kommen würde oder ob das nur die innere Leere wieder mehr in den Vordergrund rücken würde...
Michael S
Beiträge: 43
Registriert: Sa 4. Apr 2026, 11:04

Re: Arbeiten und Zwangserkrankung

Beitrag von Michael S »

Hallo zusammen.
Irgendwie kommt mir die Geschichte des Autors bekannt vor.
So ähnlich geht es mir auch.
Bisher war der Zwang eher auf das zuhause beschränkt. Mittlerweile meint er aber, mich auch auf die Arbeit zu begleiten.

Mittlerweile gehe ich in der Firma offen damit um, weil mein Verhalten schon auffällig ist und nachdem ich mitbekommen habe, dass über mich getuschelt wird, habe ich einfach ausgepackt. Allerdings erkennen einige Kollegen den Ernst meiner Lage nicht wirklich.
Paradoxerweise lässt die Hausarbeit bei mir auch nach, obwohl mein Zwang eigentlich eine blitzsaubere Wohnung möchte. Aber ich bin täglich schon sehr lange mit mir selbst beschäftigt
Mittlerweile komme ich oft nur noch auf vier Stunden Schlaf pro Nacht.
Irgendwie funktioniere ich noch, bin aber schon nah am Limit.
Vielleicht sollte ich mich mal für ein paar Tage krank melden, damit ich wenigstens wieder etwas ausschlafen kann.

Aktuell bemühe ich mich um einen Therapieplarz...
Michael S
Beiträge: 43
Registriert: Sa 4. Apr 2026, 11:04

Re: Arbeiten und Zwangserkrankung

Beitrag von Michael S »

Hallo zusammen.
Mittlerweile habe ich tatsächlich einen Therapieplatz ergattern können und das nach vergleichsweise sehr kurzer Zeit :P

Für diese Woche habe ich mich wirklich mal krankschreiben lassen. Ich weiß nicht, ob das der Placebo Effekt ist, aber seit gestern sind die Zwänge schwächer geworden. Anfang der Woche waren sie andererseits aber auch sehr stark und quälend.
Ich nehme momentan auch Sertralin Tabletten, das könnte natürlich auch eine Rolle spielen
Insgesamt tut mir die kleine Auszeit aber mal ganz gut.
Alpha Centauri
Beiträge: 46
Registriert: Di 17. Apr 2018, 19:21

Re: Arbeiten und Zwangserkrankung

Beitrag von Alpha Centauri »

Eine Krankschreibung ist in solchen Belastungsphasen nicht nur total gerechtfertigt, sondern auch ein MUSS. Mir hilft es spürbar, den Druck zu reduzieren, eben nicht auch noch beruflich funktionieren zu müssen, bei dem ganzen Störfeuer, Schlafmangel und evtl. weiteren auch körperlichen Symptomen durch die OCD.

Ja, Arbeit lenkt ab, ich zeige mir, es trotzdem hinzubekommen, trotz der Sorgen, die OCD könne mir das alles zerschießen. Aber das geht nur bis zu einem gewissen Punkt. Und den sollte man rechtzeitig erkennen und nicht zu lang zögern, sich durch eine Krankschreibung mehr Raum geben zu können, gegenzusteuern, zu regenerieren.
Michael S
Beiträge: 43
Registriert: Sa 4. Apr 2026, 11:04

Re: Arbeiten und Zwangserkrankung

Beitrag von Michael S »

Alpha Centauri hat geschrieben: So 7. Jun 2026, 11:54 Eine Krankschreibung ist in solchen Belastungsphasen nicht nur total gerechtfertigt, sondern auch ein MUSS. Mir hilft es spürbar, den Druck zu reduzieren, eben nicht auch noch beruflich funktionieren zu müssen, bei dem ganzen Störfeuer, Schlafmangel und evtl. weiteren auch körperlichen Symptomen durch die OCD.

Ja, Arbeit lenkt ab, ich zeige mir, es trotzdem hinzubekommen, trotz der Sorgen, die OCD könne mir das alles zerschießen. Aber das geht nur bis zu einem gewissen Punkt. Und den sollte man rechtzeitig erkennen und nicht zu lang zögern, sich durch eine Krankschreibung mehr Raum geben zu können, gegenzusteuern, zu regenerieren.
So sehe ich das auch.
Je nach Schwere der ocd ist die Belastung schon enorm.
Natürlich kann einem die Arbeit auch eine gewisse Struktur bieten, was positiv sein kann. Aber Stress und Schlafmangel sind auch entscheidende Trigger.

Letztlich muss das jeder für sich entscheiden, wann er zuhause bleibt oder nicht.

Mir jedenfalls hat die freie Woche gut getan. Vielleicht wäre das dauerhaft wieder kontraproduktiv, aber ab und zu, wenn ich mal wieder am Limit bin, werde ich zukünftig auch nicht zögern, mich krankschreiben zu lassen

Leider stößt man mit OCD nicht immer auf Verständnis. Für manche Kollegen sind das nur Marotten. Was im Kopf eines Betroffenen vorgeht, können die sich gar nicht vorstellen.
Aber zum Glück muss der Arbeitgeber ja nicht wissen, weshalb man krank geschrieben ist...
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